Ein Praxisbericht soll auf Rechtschreibung geprüft werden. Ein Antrag für ein Lehrprojekt soll auf Logikfehler durchgesehen werden. Eine Mail an die Prüfungsverwaltung klingt zu schroff. Der schnellste Weg ist bekannt: Text markieren, in den KI-Chat kopieren, absenden. Mit dem Text gehen aber vielleicht auch Namen, Matrikelnummern und Adressen auf Server, auf die sie nicht gehören.
Genau dagegen ist Privacy Guardrail gebaut. Die Browser-Erweiterung stammt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und ist seit Juni 2026 für Chrome verfügbar. Beim Einfügen eines Textes in einen KI-Chat versucht sie, personenbezogene Angaben zu erkennen und durch Platzhalter zu ersetzen, bevor der Text im Chat landet.
So arbeitet die Erweiterung
Aus „Frau Nachname, erreichbar unter vorname.nachname@einrichtung.de“ wird „[PERSON_1], erreichbar unter [EMAIL_1]“. Die KI bekommt die Platzhalter, arbeitet mit ihnen und antwortet mit ihnen. Im Browser werden die Platzhalter danach wieder durch die echten Angaben ersetzt und farbig markiert.
- Text in das Eingabefeld von ChatGPT, Claude oder Gemini einfügen.
- Die Erweiterung markiert erkannte Stellen (Namen, Mailadressen, Telefonnummern, IBANs, Adressen, Passwörter u. a.).
- Die Markierungen prüfen: einzelne Treffer übernehmen, ändern oder bewusst ignorieren.
- Absenden. Der Dienst sieht die Platzhalter – und alles, was nicht erkannt wurde.
- In der Antwort setzt die Erweiterung die Originalwerte lokal wieder ein.

Alles läuft im Browser: Erkennung, Ersetzung und Rückübersetzung. Kein zusätzlicher Server erhält den Text. Telemetrie gibt es nach Angaben des DFKI nicht. Der Quellcode ist offen (Apache-2.0) und auf GitHub einsehbar.
Wie erkennt ein Browser, was ein Name ist?
Die Erweiterung arbeitet mit zwei Verfahren. Das erste sucht nach Mustern, die immer gleich aussehen: Mailadressen, IBANs, Kreditkartennummern, IP-Adressen. Das klappt auf jedem Rechner, solange das Format stimmt. Bei Telefonnummern mit Leerzeichen wird es allerdings wackelig: In unserem Test blieb die letzte Zifferngruppe einfach stehen.
Das zweite ist ein kleines Sprachmodell, das im Browser läuft und nach Namen, Orten, Organisationen und Adressen sucht (Named Entity Recognition). Das braucht Rechenleistung: rund 1 GB Arbeitsspeicher im Betrieb, empfohlen werden 16 GB RAM und eine Grafikkarte mit WebGPU. Auf schwächeren Geräten bleibt nur die Mustersuche. Dann findet die Erweiterung deutlich weniger.
Welcher Weg zuerst?
An der Reihenfolge, die an der HSD gilt, ändert die Erweiterung nichts. Sie sichert den letzten Schritt ab und hilft beim Üben:
- Zuerst klären, ob die Aufgabe überhaupt personenbezogene Daten braucht. Für Formulierung, Struktur oder Argumentation meist nicht. Namen vorher selbst entfernen ist der sicherste Filter und nach Regel 8 der KI-Richtlinie ohnehin geboten.
- Für Studium und Lehre KI:connect.nrw nutzen, den KI-Dienst der HSD.
- Andere Dienste nur dort nutzen, wo die Lehrenden sie zulassen. In Lehrveranstaltungen und Prüfungen legen sie fest, welche Werkzeuge zulässig sind. Wo ChatGPT, Claude oder Gemini erlaubt sind, fängt die Erweiterung vergessene Angaben ab. Eine Erlaubnis für personenbezogene Daten ist sie nicht.
Nutzen für Studium und Lehre
Am meisten zeigt die Prüfansicht. Für unseren Test haben wir eine erfundene, ganz gewöhnliche Mail zu einem Exkursionstermin eingefügt und bekamen sechs Markierungen zurück: die Namen von Absender und Empfängerin, Adresse, Telefonnummer, Mailadresse und das Wort „Stadtteilzentrum“, das die Erweiterung als Ort einstufte (ob das schützenswert ist, darüber lässt sich streiten).
Für Studierende
Im Praxissemester entstehen Texte über Klienten, Kollegium, Einrichtungen. Schon ein kurzer Absatz verrät Namen, Orte und Einzelheiten. Die Prüfansicht macht genau das sichtbar. In einen KI-Dienst gehören Fallbeschreibungen trotzdem nicht. Für Fragen zu Gliederung oder Sprache reicht ein ausgedachtes Beispiel.
Ähnlich ist es bei Interviewtranskripten, in denen Pseudonymisierung längst zum Handwerk gehört, und bei Anschreiben fürs Pflichtpraktikum mit Adresse, Geburtsdatum und Telefonnummer. Für die sprachliche Überarbeitung braucht die KI fast nichts davon. In Informatik und Technik ist es oft das Fehlerprotokoll: Wer es zur Fehlersuche kopiert, kopiert IP-Adressen, Benutzernamen und manchmal Zugangsdaten gleich mit.
Für Lehrende
In Methoden- oder Einführungsveranstaltungen lässt sich die Prüfansicht am Beamer zeigen: Beispieltext einfügen, Treffer gemeinsam durchgehen, auch die übersehenen. Für eigene Mails, Protokolle und Stellungnahmen gilt dasselbe wie für Studierende. Namen Dritter braucht keine Formulierungshilfe. Wer in einer Veranstaltung den Einsatz von KI regelt, kann die Erweiterung als Übungshilfe empfehlen. Eine Freigabe für personenbezogene Daten ist das nicht.
Bleibt die Frage: Was macht eigentlich KI:connect?
Und KI:connect?
An der HSD ist KI:connect.nrw der KI-Chat für Studium und Lehre. Privacy Guardrail läuft dort nicht. Beide beantworten verschiedene Fragen:
- Wohin geht der Text? Diese Frage beantwortet KI:connect. Die Verarbeitung läuft über hochschulnahe, landesweite Infrastruktur; angemeldet wird mit dem HSD-Account.
- Was steht im Text? Diese Frage beantwortet kein Dienst. Nach Regel 8 der KI-Richtlinie der HSD gehören personenbezogene Daten grundsätzlich in keinen KI-Dienst – auch nicht in KI:connect. Prüfen muss der Mensch vor der Eingabe.
KI:connect regelt also, wohin ein Text geht. Was drinsteht, muss die Person an der Tastatur selbst prüfen. Die Erweiterung kann trotzdem zwei Dinge. Wo ChatGPT, Claude oder Gemini erlaubt sind, fängt sie vergessene Angaben ab. Außerdem schult sie den Blick: Wo sie läuft, zeigt sie, was in einem Text über andere Menschen steht. Genau das muss man in KI:connect ohne Hilfe erkennen. Die Schreibweise lässt sich übrigens mitnehmen: „[PERSON_1] hat im Gespräch mit [PERSON_2] berichtet …“ versteht KI:connect genauso gut. Wer hinter [PERSON_1] steht, weiß nur, wer den Text eingibt.

Grenzen
Das DFKI sagt selbst: Die Erweiterung ist eine unterstützende Schutzschicht, mehr nicht.
- Treffsicherheit: Sensible Angaben können übersehen, harmlose falsch markiert werden. Kurze Namen, Tabellen, Code und ungewöhnliche Formatierung verschlechtern die Erkennung.
- Eigener Test: Aus „0211 555 01 23“ wurde „[PHONE_1] 23“. Die letzten Ziffern wären mitgegangen. Das erste Video zeigt die Stelle.
- Kontext verrät: „[PERSON_1], 23, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Wiederholungsprüfung Statistik“ ist in einem kleinen Studiengang schnell zuzuordnen – mit oder ohne Platzhalter.
- Nur drei Dienste, nur Chrome: Unterstützt werden derzeit ChatGPT, Claude und Gemini in Chrome auf dem Desktop. Andere Browser, Smartphones und andere Dienste sind nicht abgedeckt.
- Beta-Stand: Die Version heißt 0.x. Im Alltag würden wir uns nicht blind darauf verlassen.
- Was ist mit getipptem Text? Und mit hochgeladenen Dateien? Die Dokumentation sagt dazu nichts Genaues.
Die Erweiterung ersetzt Namen und Kontaktdaten, den Zusammenhang eines Textes kann sie nicht verbergen. Wer sicher sein will, muss vor dem Absenden selbst nachdenken – die Erweiterung nimmt einem das nicht ab.
☐ Vor dem Kopieren prüfen, ob die KI Namen oder Nummern überhaupt braucht.
☐ Für Studium und Lehre KI:connect.nrw nutzen und Namen durch Platzhalter wie [PERSON_1] ersetzen.
☐ Prüfungsleistungen und Gutachten gehören in keinen KI-Dienst.
Quellen und Linkempfehlungen
- Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Privacy Guardrail: Eine Schutzschicht für KI-Prompts direkt im Browser.“ Pressemitteilung, Juni 2026. dfki.de.
- DFKI, Forschungsbereich Data Science und ihre Anwendungen. „Privacy Guardrail.“ Quellcode und Dokumentation, Version 0.5.0, Lizenz Apache-2.0. GitHub, 21. September 2026. github.com.
- DFKI. „Privacy Guardrail.“ Chrome Web Store. Zugriff am 30. September 2026. chromewebstore.google.com.
- Hochschule Düsseldorf. „Richtlinie zur Nutzung generativer KI an der Hochschule Düsseldorf.“ Verkündungsblatt der Hochschule Düsseldorf Nr. 1060, 15. April 2026. opus4.kobv.de.
- Hochschule Düsseldorf, ZWEK. „KI an der HSD.“ Zugriff am 30. September 2026. zwek.hs-duesseldorf.de.
Hinweis: Für die sprachliche Überarbeitung dieses Beitrags wurde ein KI-basiertes Sprachmodell unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor.