Am 21.10.2025 fand die zweite Veranstaltung der Reihe „Reden. Streiten. Forschen.“ mit dem Titel „Einsatz von generativer KI in der Hochschulbildung – unerwünschter Kompetenzverlust vs. gute Gründe für Kompetenzverschiebung“ statt. In einer szenarienbasierten Diskussion wurde kritisch hinterfragt, wie sich Kompetenzen, Werte und Prüfungsformate durch KI-Einsatz verändern (müssen) und welche Verantwortung die Hochschulen hierbei tragen.
„KI-Nutzung erst mit entsprechenden Kompetenzen reflexiv möglich“
Die Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass Reflexion der eigenen KI-Nutzung essenziell ist und erst dann erfolgen sollte, wenn die benötigten Kompetenzen vorhanden sind. Ein unkritischer Einsatz von KI birgt die Gefahr eines Kompetenzverlustes, da fachliche Inhalte und wissenschaftliche Praxis in den Hintergrund geraten können. Gerade bei Erstsemestern besteht das Risiko, dass Aufgaben ohne Verständnis gelöst werden, was langfristig zu Problemen beim Kompetenzerwerb führen kann. Wenn KI-Anwendungen nicht als Werkzeuge verstanden, sondern als Ersatz für wissenschaftliches Denken genutzt werden, droht zudem eine Erosion klassischer wissenschaftlicher Werte.
Lehrende stehen vor der Aufgabe, wissenschaftliches Denken und Arbeiten weiterhin als Basiskompetenzen zu vermitteln, auch abseits von KI, um einer „Verdrehung wissenschaftlicher Thesenbildung“ vorzubeugen. Die Diskussionsteilnehmenden stellten fest, dass Hochschulen eine ethische Verantwortung für den richtigen Umgang der Studierenden mit KI haben. Studierende sollten motiviert werden, neugierig zu bleiben und Fortschritte auch im technologischen Wandel aktiv mitzugestalten. Technik- und Fachkompetenz müssen gemeinsam weiterentwickelt werden, wobei eine kritische Grundhaltung bewahrt bleibt. Hochschulbildung sollte den Einsatz von KI als Chance begreifen, die Kernkompetenzen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens aber weiterhin ins Zentrum stellen.
Zum Thema „Prüfen“ wurde hervorgehoben, dass die Fähigkeit, zu erkennen, ob eine Arbeit selbstständig oder KI-gestützt erstellt wurde, begrenzt bleibt, was neue Herausforderungen in der Prüfungspraxis erzeugt. Prüfungsformate wie Kolloquien wurden als hilfreiche Ergänzung zu klassischen Arbeiten diskutiert, um den tatsächliche Kompetenzerwerb zu überprüfen.
Die Diskussion zeigte deutlich, dass KI die Hochschulbildung vor tiefgreifende Umbrüche stellt, zugleich aber auch neue Chancen eröffnet. Entscheidend ist, dass wissenschaftliches Denken, ethische Reflexion und technologische Kompetenz gemeinsam gefördert werden. Hochschulen müssen Verantwortung übernehmen, die kritische Nutzung von KI didaktisch zu begleiten und Prüfungsformate weiterzuentwickeln, um echten Kompetenzerwerb sicherzustellen. KI kann die akademische Bildung bereichern – aber nur, wenn sie nicht ersetzt, was sie unterstützen soll: die Fähigkeit zum selbstständigen, reflektierten Denken.
Mit dem Format „Reden. Streiten. Forschen.“ hat das ZWEK im Jahr 2025 ein hochschulweites Forum für den Austausch zu aktuellen, streitbaren und brisanten Themen rund um den Bereich guter wissenschaftlicher Praxis in Forschung und Lehre ins Leben gerufen. Circa einmal im Semester treffen sich interessierte Hochschulangehörige vor Ort, um zu diskutieren. Der nächste Termin findet voraussichtlich am 14.04.2026 statt. Es wird der Frage nachgegangen, ob und welche Aufgaben sich für Hochschulbildung aus dem allgegenwärtigen Phänomen von Filterblasen durch algorithmische Kuratierung von Online-Inhalten ergeben.